Philipp Lahm – Karriereplan von A bis Z


Das Rauschen im Bundesliga-Blätterwald trägt momentan fast nur einen Namen – Philipp Lahm. Was bringt einen 27-jährigen zum Schreiben eines Ratgebers, in dem er sich seine alten Weggefährten der Reihe nach vorknöpft? Überraschend ist das alles aber keineswegs – die Karriereplanung Philipp Lahms nimmt weiter Fahrt auf und geht dabei ein kalkuliertes Risiko.

Philipp Lahm war schon immer ein Fußballer eines anderen Schlages, der 27-jährige gehörte schon früh in seiner Karriere zum Stammpersonal der Fußball-Bundesliga. Als Vorreiter war er einer der ersten jungen Burschen, die in der damaligen Alters-Hochburg Bundesliga Fuß fassten. Mit gerade einmal 18 Jahren wurde der Außenverteidiger vom VfB Stuttgart ausgeliehen, kam auf 71 Spiele unter Mentor Felix Magath.

Jener Felix Magath, den er auch zwei Jahre später nach Ende der Leihe als Trainer beim FC Bayern München wiederfand und auch dort zum Stammspieler gemacht wurde. Aber auch jener Felix Magath, den sich Philipp Lahm nun in seinem Buch öffentlich vorknöpft. „Einige Profis lassen sich von dem Druck, den der Trainer ausübt, auch nicht mehr beeindrucken. Seine Tricks greifen nicht mehr, man kennt sie schon. Wir sind seit zweieinhalb Jahren täglich zusammen, machen täglich Erfahrungen, kommunizieren täglich, oder, was auch vorkommt, kommunizieren nicht.„, erklärt Lahm in einer der vielen vorab veröffentlichen Passagen.

Lahm sucht das perfekte Timing – Suche erfolgreich abgeschlossen

Viele Beobachter waren sichtlich erstaunt über die Veröffentlichung des Buches mit gerade einmal 27 Jahren, weniger verwundert war man allerdings über den Zeitpunkt, an dem die ganze Geschichte an die Öffentlichkeit kommt – Zufall? Ausgeschlossen! Torwart-Titan Oliver Kahn heizte in den vergangenen Tagen die Diskussion über die Führungspersönlichkeiten im deutschen Fußball heftig an. In seinem Blog bei eurosport.de warf er Lahm und auch Schweinsteiger vor, sie seien zu sehr damit beschäftigt, Anerkennung zu suchen, anstatt Leitwolf zu sein.

Die Kritik ging durch die Medien, besonders die „Bild“ beschäftigte sich mit der Thematik und wies außerordentlich hohes Interesse an dem Thema auf. Genau dort sind nun auch die explosiven Passagen aus seinem Buch „Der feine Unterschied“ zu finden. Um dort einen Zusammenhang zu erkennen, muss man weder Internas kennen, noch Lahm persönlich sein. Lahm wurde oft vorgeworfen, der weichgespülte Traum-Schwiegersohn zu sein, die Frage, ob er überhaupt eine Führungspersönlichkeit sei, ist im Nu vom Tisch.

Mit seinem Rundumschlag gegen Felix Magath, Jürgen Klinsmann, Louis van Gaal und Rudi Völler gibt der DFB-Kapitän seine passende Antwort. Alles kalkuliert natürlich. Mit einem Mal steht Lahm als Führungspersönlichkeit da, die sich nicht mehr einfach alles gefallen lässt, sondern austeilt. Das er dabei auch keinen Halt vor noch aktiven Persönlichkeit macht, ebenfalls geplant.

Lahm sucht den Konflikt bewusst, dabei ist es ihm auch egal, wenn er bestehende ungeschriebene Gesetze bricht – über den Ex-Trainer spricht man nicht! Der Zeitpunkt seiner Veröffentlichung ist jedenfalls alles andere als schlecht. Das nächste große Turnier ist noch weit weg und die Bundesliga in den Startlöchern.

Opportunistisch oder Klug? Lahm gelingt der schmale Grad!

Rudi Völler, Louis van Gaal, Jürgen Klinsmann, Felix Magath – Die Personen, die in den kurzen Passagen rund gemacht werden sind heute alle noch aktiv, haben sportlich allerdings kaum noch Berührung mit dem Fußballer Lahm. Das es sich bei den Personen auch um Fußball-Persönlichkeiten handelt, die beim FC Bayern in gewisser Weise nicht mehr erwünscht sind, kann Zufall sein, aber daran glauben muss man nicht.

Rudi Völler gilt schon lange als einer, der der Anti-Bayern-Fraktion zugehörig sei. Die Kapitäns-Debatte in der Nationalmannschaft rund um Lahm und Ballack, die Soap um den Wechsel von Arturo Vidal. Völler ließ keine Situation aus, um sich mit dem deutschen Flaggschiff anzulegen, das weiß auch Lahm und nutzt dieses. Völler bezog klar Position pro Ballack, tiefer könnte der Graben zwischen Lahm und Völler sowieso nicht mehr sein. Felix Magath, Jürgen Klinsmann und Louis van Gaal gelten nach ihren Tätigkeiten beim FCB sowieso nicht mehr als erwünscht an der Säbener Straße.

Deutlich besser wird es dagegen Jogi Löw haben. Zwar wird auch der „Bundes-Jogi“ nicht über die veröffentlichen Nationalmannschafts-Internas erfreut sein, von Kapitän Lahm gibt es aber nur positive Worte. „Jogi Löw ist ein präziser Denker mit einem guten Gespür für die taktischen Möglichkeiten einer Mannschaft„, schreibt Lahm. Kritik an seinen aktuellen Arbeitgebern lässt Lahm bewusst außen vor, einige nennen es opportunistisch, andere wiederum klug.

Auch die großen Macher des FC Bayern kommen in Lahms Werk gut weg. Das er sich aber auch gegen diese nicht zurückhält, bekamen die Herren im Jahr 2009 zu spüren, als Lahm öffentlich den Verein angriff. Lahm wusste aber auch schon immer, wann er besser schwieg. Gebracht hat ihm das Ganze eine gestärkte Position im Verein und ganz nebenbei noch die Binde am Arm.

Kritik aus der Bundesliga – Drohen Konsequenzen?

In der großen weiten Bundesliga-Welt erntet Lahm dagegen viel Unverständnis.“Es kann nicht sein, dass man über Trainer herzieht„, sagte der Sportdirektor des VfB Stuttgart, Fredi Bobic. Bayer Leverkusens Trainer Robin Dutt zeigte sich ebenfalls keineswegs erfreut über das Buch: „Das ist ein absolutes Tabu-Thema. Man kann nur froh sein, dass man nicht Teammitglied von Philipp Lahm ist, weil man nicht weiß, was in den nächsten fünf Jahren veröffentlicht wird„, sagte der Coach.

Auch in hohen Norden beim SV Werder Bremen reagierte man verwundert. „Ich bin lange dabei und habe noch kein Buch geschrieben. Mein Drang, mich mitzuteilen, ist sehr gering. Ich habe nur Auszüge gelesen und kann mir daher kein abschließendes Urteil erlauben. Aber es gibt gewisse Regeln, die man einhalten muss. Das gilt vor allem für interne Sachen„, sagte Allofs. Die Frage nach möglichen Sanktionen möchte dagegen niemand so richtig beantworten.

Lahm blieb wie zu erwarten sanktionsfrei, Löw und dem DFB fehlen nun bei künftigen verbalen Indiskretionen Argumente für mögliche Strafen. Für Torwart Toni Schumacher war nach seinem Autoren-Debüt („Anpfiff“) 1987 die DFB-Karriere beendet. Lothar Matthäus musste zehn Jahre später nach seinem „Geheimen Tagebuch“ beim FC Bayern die Kapitänsbinde abgeben.

Lahm hat das Schwiegersohn-Image abgelegt und legt einen völlig neuen Weg an, eine Position als Führungspersönlichkeit zu erreichen. Während die Generation Effenberg, Kahn und Matthäus den direkten Weg suchte, wartet Lahm auf geeignete Zeitpunkte, jeder Schritt seiner Karriere ist penibelst geplant. Man könnte fast von einer Führungspersönlichkeit light sprechen – Weg vom weichgespülten Schwiegersohn, hin zum weichgespülten Führungsspieler.

Von Christian Wolfsdorf

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